Witwen in der Frühen Neuzeit. Eine kulturhistorische Studie
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Witwen in der Frühen Neuzeit. Eine kulturhistorische Studie

Genre
Geschichte und Geschlechter
Autor
Gesa Ingendahl
Verlag
Campus Verlag
Erscheinungs­datum
09.10.2006
Erscheinungs­form
380 Seiten

Bewertung

Tobias Krettek, Oct 2010

5 / 5 Sternen

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Witwenschaft im Mittelalter oder in der Frühen Neuzeit als Forschungsgegenstand ist nicht neu. Neu bei Gesa Ingendahls Arbeit der Dissertation der Historikerin aus Tübingen, ist der interdisziplinäre Ansatz, der den bisher überwiegend sozial-geschichtlich ausgerichteten Schwerpunkt durch einen kulturellen erweitert. Im Mittelpunkt ihres Forschungsinteresses steht der Witwen-Stand, nicht wie bisher das Witwen-Sein. Mit diesem Fokus auf den Witwenstand [wird] die Historisierung des Witwe-Seins vorgenommen, bewegten sich doch Witwen jeweils in einer spezifischen gedachten sozialen Kategorie, die sich mit ihrer jeweiligen Gesellschaftsformation wandelte (15). Damit stellt sie einen sich gegenseitig bedingenden Zusammenhang zwischen der Kultur einer Gesellschaft und ihren sozialen Handlungsspielräumen dar und zeigt am Beispiel der Reichstadt Ravensburg anschaulich, welche kulturelle Bedeutung diesem Stand in den alltäglichen und lebensweltlichen Sinn-zusammenhängen zwischen Bevölkerung und Obrigkeit (19) zu kam.

Obwohl die Ehefrau unter der Vormundschaft des Mannes stand, dem allein in seiner Position als Hausvater und Ehemann alle wesentlichen Rechte und Pflichten in der Gesellschaft oblagen, konnten die gesellschaftlichen Ordnungsaufgaben (47) eines Haushaltes nur von beiden Ehepartner erfüllt werden. Damit wurde die Ehe als Einheit betrachtet, die bei dem Verlust des Ehepartners durch umfassende Stellvertreterfunktionen (47) auf den verbliebenen Teil übertragen wurde. Für die Witwen der Frühen Neuzeit entstand damit eine Situation, die keine andere ledige Frau innerhalb der Gesellschaft erreichen konnte. Die Aufrechterhaltung des Haushaltes mit seinen spezifischen Bestimmungen innerhalb der Gesellschaft war nun von größerer Bedeutung als die Beschränkungen der Weiblichkeit.

Anhand von zahlreichen Quellenmaterial, welches Ingendahl sowohl qualitativ als auch quantitativ auswertete, ist ein spannendes Bild dieses Witwenstandes innerhalb der Ravensburger Gesellschaft entstanden, welches nicht nur die unterschiedlichen Handlungsmöglichkeiten und Lebensweisen dieser Frauen veranschaulicht, sondern auch den normativ-rechtlichen Wandel gekonnt ins Bild rückt. (Frances Lange)

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