Halbbitter – Mein Jahr mit 100 Männern
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Halbbitter – Mein Jahr mit 100 Männern

Genre
Erfahrungsbericht, Ratgeber
Autor
Katrin Kropf
Verlag
Heyne
Erscheinungs­datum
13.09.2010
Erscheinungs­form
Taschenbuch, 304 Seiten

Bewertung

Michael Möbius, Dec 2010

2.5 / 5 Sternen

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Katrin ist 40 Jahre alt, lebt in Scheidung und hat einen Sohn. Den Anfang macht jedoch die Trennung von Rüdiger Zwo. Bei Ihrer besten Freundin Doro kommt Sie unter, um erst einmal Ihr Leben zu ordnen. Neuer Job, neuer Mann, neues Leben. Alles soll her. Die erste Adventskerze brennt und Katrin meldet sich auf einer Internetplattform für Singles an und ist erst einmal über Angebot und Nachfrage überrascht. Was sich da so alles tummelt. Sie kommt sich vor wie in einem Supermarkt, wo die Ware Mann jedes Regal füllt und Sie einfach nur zugreifen muss. Mit einem lockeren Spruch auf den Lippen und aussagekräftigen Fotos begibt Sie sich auf den Jahrmarkt der Gefühle.

Schnell werden die ersten Gespräche geführt, Erfahrungen gemacht und Männer gedatet. Um den Überblick nicht zu verlieren, wer wann wieso weshalb, legt sich Katrin eine Liste von Kontakten an, um unter den Kandidaten ihren Traumprinzen herauszufiltern. Während dieser Odyssee legt nicht nur sie selbst mehr als einen Mann ab, sondern wird ebenso eiskalt abgelegt. Mehr als einmal werden gegenseitig Gefühle verletzt, Antipathien entwickelt und unüberbrückbare Differenzen deutlich. Einzig feste Konstanten in dieser Zeit sind ihre beste Freundin Doro und 1_MACHO, eine Online-Bekanntschaft, die bald mehr ein Freund und Zuhörer ist, als ein Date-Kandidat.

Katrin Kropf schreibt ehrlich, unbarmherzig ehrlich, was Frauen wollen. Als DDR-Geprägte, die nie um Gleichberechtigung kämpfen musste, da hier kein Unterschied hinter der Mauer herrschte, versucht sie nicht nur die Westfrauen, sondern auch die Westmänner zu verstehen. Hier wird ein modernes Frauenbild gezeigt. Eine Frau, die weiß, was sie will, sich nimmt, was sie will und doch an alten Verhaltensweisen und ihrer eigenen Inkonsequenz scheitert. Die Pirsch auf die Männer ist nicht nur für die Protagonistin anstrengend, sondern auch für den Leser. Nicht nur die vielen Internetpseudonyme, sondern auch die echten Namen werden im Verlauf der Geschichte fleißig durcheinander gewürfelt. Gut, dass es auf der letzten Seite besagte Kontaktliste (wenn auch ziemlich mau) gibt, wo der Leser grob den Überblick behalten kann. Leider passt die Liste zeitlich wiederum nicht 100 % zu der Geschichte, so dass ein wirres Spiel beginnt, indem der Leser nur verliert. Auf der anderen Seite tut das Namen-Personen-Wirrwarr dem Lesespaß keinen Abbruch. Die Chats und Treffen zwischen den einzelnen Figuren sind flott und anspruchslos geschrieben, mit Stellen zum Schmunzeln und Kopfschütteln. Die Autorin mit Ihrer großen Klappe und schonungslosen Art überbrückt auch die uninteressantesten Passagen. Die Seiten fliegen einfach so dahin, was abgesehen von den Chats, die hier mit abgedruckt sind und viel Platz schlucken, vor allem darin begründet ist, dass die Autorin ungeschmückt schreibt.

Da dies ein reines Unterhaltungsbuch ist, kommt hier dennoch der erhobene Zeigefinger. Stellenweise ist es erschreckend, wie naiv auf den Internetplattformen die Daten weitergegeben werden. Angefangen bei den persönlichen, teilweise sexuell angehauchten Bildern, über Email-Adressen bis hin zu Telefonnummern, und das innerhalb eines Chats, der teilweise im Buch keine zwanzig Sätze umfasst. Erstaunlich, dass hier kein Missbrauch der Daten stattgefunden hat, oder hat die Autorin darüber einfach nicht geschrieben, um nicht den Unterhaltungswert zu senken? Generell ist es erstaunlich, mit welcher Leichtfertigkeit die Autorin/Hauptfigur Ihr Leben im Chat präsentiert, Männer erniedrigt und sich darüber beklagt, wenn Mann ihr wehtut. An keiner Stelle wird auf die Gefahren hingewiesen, die so ein Verhalten nach sich ziehen kann. Ein sensibler und vor allem verantwortungsvoller Umgang mit diesem Thema fehlt im Buch völlig und dämpft die Freude am Lesen gewaltig. Im Laufe des Buches wird die Protagonistin immer unsympathischer, was darin gipfelt, dass sie sich von einem älteren Mann, der an Ihrer Zuneigung interessiert ist, aushalten lässt, zwar mit teilweise schlechtem Gewissen, aber konstanter Konsequenz. Neben diesem Manko nervt ab der Hälfte des Buches vor allem das Emanzipations-Gerede. Am Anfang macht der Blick auf das Frauenbild Ost und West Spaß, gerade weil die heutige Generation sich mit diesen Sachverhalten nicht mehr beschäftigt. Mit der Zeit wird es jedoch einfach öde, wenn die Autorin immer wieder diese Unterschiede zur Legitimation ihres eigenen Verhaltens heranzieht, und das geschieht häufiger als dem Leser recht sein kann. Auch die ständige Diskussion zwischen Mann und Frau, warum wer sich wie verhält, und wie das einzelne Geschlecht das deutet, ist ein ausgelutschtes Thema, das im Buch immer wieder aufgebrüht wird.

Zu guter Letzt entsteht beim Leser am Ende des Buches der sehr negative Eindruck, dass nichts so ist, wie es scheint. Neben den ganzen kleinen Episoden, die zwar realistisch daher kommen, aber bei genauerer Betrachtung doch einfach nur zusammen geschustert sind, ist es vor allem die Figur 1_MACHO, der nicht greifbare Begleiter der Hauptfigur, der am Ende einfach nur noch fiktiv wirkt. Wie die Autorin selbst schreibt: „Den Mann fürs Leben habe ich immer noch nicht gefunden. Und … ist auch keine Lösung“.

Im Fazit lässt sich das Buch mit zwei Worten beschreiben: typisch Frau. Alles, was an Frauen geliebt und gehasst wird, ist in dieser Geschichte vereint. Dennoch wäre an der einen oder anderen Stelle mehr Substanz und Realismus sinnvoll gewesen. Beim Lesen der letzten Seite wird der Leser vor allem mit dem Gefühl allein gelassen, eine fiktive Story und keinen Erfahrungsbericht konsumiert zu haben. Ein Buch, das man einmal liest und dann einmottet.

Katrin Kropf wurde 1967 in Cottbus geboren, als es noch das andere Deutschland gab. Sie hat Politik studiert und in einem Werkzeugmaschinen-Kombinat als FDJ-Sekretärin gearbeitet. Nach der Wende ist sie in den Westen gegangen, hat in Kliniken und Kurheimen als Hausdame gearbeitet, ehe sie in die Gastronomie wechselte. Sie ist geschieden und hat einen Sohn. Kurz nach Ihrem 40. Geburtstag machte sie sich im Internet auf die Suche nach dem Mann fürs Leben. Den hat sie da nicht gefunden, wohl aber zahlreiche Kandidaten getestet und erkannt: Es ist alles eine Frage der Perspektive. Unter Katrin@halbbitter.net bleibt sie Ihnen verbunden. (Constanze Heinisch)

Sprache
Deutsch
ISBN (Taschenbuch)
978-3-453-60144-4

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