Du bist, was du schläfst
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Du bist, was du schläfst

Genre
Sachbuch, Psychologie, Medizin
Autor
Tobias Hürter
Verlag
Piper
Erscheinungs­datum
08.09.2011
Erscheinungs­form
Gebundenes Buch, Schutzumschlag, 272 Seiten

Bewertung

Michael Möbius, Oct 2011

4 / 5 Sternen

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Schlaf gut und träum was Schönes - Leichter gesagt als getan! Denn wie macht man das eigentlich, dieses Schlafen? Oder gar Träumen? Und dann auch noch gut und schön... . Was schafft dem Adressaten jener Formel eine „traumhafte“ Nacht? Was zu tun?

Ein Buch lesen. Wobei dieses hier ausdrücklich nicht als Schlafmittel fungiert. Denn Aufschluss ist immer spannend. Was wohl hinter den bisher versperrten Pforten auf seine Entdeckung wartet? Nun, zum Beispiel zehn dem Rezensenten markierungswerte Stellen und Tipps zum, nicht guten aber eventuell besseren, Schlafen. Oder etwa Bewusstseinserweiterung (ohne Betäubungsmittel), auch was Genies so träumten, Lernhilfe, einzelne Freudsche Irrtümer und wo der Vater der Psychoanalyse richtiger lag und wieso bei Schlafwandlern auf Diät manchmal plötzlich der Kühlschrank leer ist, obschon sie sich an nichts erinnern können.

Anders ausgedrückt: Zahlreiche, den Schlaf betreffende Bereiche finden, in dem anti-hypnotischen Buch von Tobias Hürter, die ihnen gebührende Berücksichtigung. Nach dem derzeitigen Wissensstand! Denn wie überall in der Wissenschaft irren wir uns, auch in der Schlafforschung, nur näher an die Wahrheit heran. Nachvollziehbar wird dieses Anschleichen für den Leser vor allem durch diesen, noch vergleichsweise jungen, Forschungsbereich. Jedoch nicht ausschließlich, sondern unter Zuhilfenahme der Fachbereiche Medizin, Philosophie, Psychologie, Geschichte und Biologie, sowie deren hybridem Baby, der Evolutionshistorie.

Fazit

Unverkrampft und gut verständlich führt der Autor, einem Bergführer gleich, in die Höhe wacher Einsichten. Ohne dabei den Boden, also die Niederungen der Alltäglichkeit, unter sich verschwimmen zu lassen. Manches lädt gar zum Schmunzeln ein. Man lernt etwas Latein, über partikulare Hirn-Funktionen, enzymattische Biochemie, Phasendauer sowie -merkmale und die Tatsache, dass der Forschung selbst vieles über Traum und Schlaf noch unbekannt ist.

Der Autor lässt viele Experten zu Wort kommen, wobei es sich auch für den Laien meist erkennbar um solche handelt. Er erzählt einige schöne und recht skurrile Geschichten von Forschern beziehungsweise ihren Entdeckungen. Auch einige wichtige Ausnahmen von der Regel finden sich (und was diese Schlafbesonderheiten für Rückschlüsse auf die „normalen“ Schläfer erlauben). Die 272 Seiten sind somit unterhaltsam, informativ und wahrlich des Lesens wert.

Nun aber noch ein paar kritische Anmerkungen: Man möge, dem alten Spruch gemäß, dieses Buch bitte nicht nach dem Einband bewerten. Denn der schreckliche Titel lässt leider Schlimmes befürchten. Auch die kleinen Comic-Abbildungen werden dem wissenschaftlichen Thema irgendwie nicht so richtig gerecht. Inhaltlich wiederum vermisst man, vielleicht, ein genaueres Eingehen auf die widerstreitenden Theorien und Ergebnisse, mithin tieferen Einblick in den akademischen Diskurs. Auch wäre es schön gewesen, wenn auf etwaige Ungenauigkeiten, in den jeweiligen Datenermittlungen, ausführlicher hingewiesen worden wäre. Wobei es ausdrücklich zugestanden ist, dass dies Werk dann wohl erheblich umfangreicher geraten wäre und die angenehme Übersichtlichkeit, also der, immer wieder aufgegriffene, rote Faden den tastenden Fingern der Leserschaft dann ab und an eventuell abhanden gekommen wäre. Hierfür findet derjenige, welcher mehr wissen möchte, aber in den Literaturhinweisen noch Gelegenheit zum fortgesetzten Selbststudium.

Ach ja, die markierten Stellen. Hier nur drei: „Ein Baum, der fällt, macht mehr Lärm als ein Wald, der wächst.“ und „Wer von jemand bestimmten träumen will, sollte sich vor dem Einschlafen bemühen, allen Gedanken an diese Person auszuweichen.“, oder wie wäre es mit „Wir halluzinieren dauernd [...] und was wir Wahrheit nennen, sind einfach jene Halluzinationen, die am besten zu den aktuellen Sinnesdaten passen.“.

Alles in allem ist „Du bist, was du schläfst“ somit empfehlenswert, so dass Mysterium der Träume, für den potentiell „ausgeschlafenen“ Leser, von Interesse ist. In Selbigem erfährt man übrigens, dass es genau das sein sollte. Ergo: Lesen Sie und schlafen Sie (womöglich) besser! (Text: Thomas Treichel)

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