Künstlerkolonie Worpswede
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Künstlerkolonie Worpswede

Genre
Kunst
Autor
Doris Hansmann
Verlag
Prestel
Erscheinungs­datum
23.05.2011
Erscheinungs­form
Gebundenes Buch, Schutzumschlag, 144 Seiten

Bewertung

Michael Möbius, Sep 2011

4 / 5 Sternen

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Aufs Land! - Als eingefahrene Strukturen, betonierte Ideale und der Ausschluss ambitionierter Frauen an der Tagesordnung waren, die klassische Kunstausbildung, mithin die altehrwürdigen Institute, sich den Erfordernissen einer sich verändernden ästhetischen Welt nicht anzupassen gedachten, wählten viele Künstler ihren eigenen, neuen Weg.

Sie gingen an die frische Luft (pleinair), auf die Dörfer, in Wald und Heide. Doch nicht nur in und um Paris geschah dies, auch in Worpswede fand eine Modernisierung in Form- und Farbverständnis statt, was folgerichtig in die Moderne führte. Was wiederum das Buch von Doris Hansmann anschaulich dokumentiert. Mit 145 Abbildungen auf 144 Seiten sogar sehr anschaulich. In sechs Kapiteln werden die Idee und die Entstehung der Kolonie sowie deren Mitglieder beleuchtet. Doch vor allem geht es um die Themen und Werke, wie auch die jeweilige Entwicklung des Schaffens. Denn diese ist recht unterschiedlich, vom Naturalismus zum Jugendstil, über express- wie auch impressionistische Bezüge und Einschläge, angelehnt an die großen Franzosen dieser Zeit (Ende des 19. Jahrhunderts).

Es ist die Sehnsucht nach einem neuen Ausdruck und nach Alternativen sowohl in der Kunst als auch im Leben, letzteres wird anhand der Biographien besonders verdeutlicht. Es geht um die Nutzung und Umformung eines selbstgewählten Raumes, eines fruchtbaren Umfeldes in welchem die Kreativität im Fluss bleibt und die Augen, wo sie auch hinsehen, Motive finden. Eine sehr romantische Vorstellung. Die dann auch die eine oder andere Enttäuschung bereithält. Aber das kann die Erfolgsgeschichte Worpswede nicht ernsthaft gefährden, denn eine solche wird in diesem Buch resümiert und so ist auch das Buch selbst als eine solche anzusehen. Schade ist nur, dass der Umfang dem Inhalt Grenzen setzt, man hätte gerne noch viel mehr erfahren. Dem Rezensenten hätten 288 oder 432 Seiten vermutlich sogar noch besser gefallen.

Die Kunst selbst ist nicht weniger vielschichtig als die Künstler. Landschaften, typische wie untypische (Moor- und Wolkenbilder), Portraits, Akte, Architektur sowie Szenen aus dem Landleben finden sich. Eng am Vorbild orientierte, aber auch stärker abstrahierte, sehr farbenfrohe doch auch düstere, der Antike verbundene aber auch ungeschönte Darstellungen bilden ein weites Spektrum. Simplifiziert oder unglaublich detailliert, oft voller Ausdruck, der Eindruck macht! Fotos, Zitate wie auch einige Anekdoten bilden dabei den Rahmen der Zeit ab und zeichnen ein Bild von den Bauern, dem Gefälle zwischen den Neuankömmlingen wie den Alteingesessenen. Erstere sind: Marie Bock, Hans am Ende, Fritz Mackensen, Otto Modersohn, Paula Modersohn-Becker, Fritz Overbeck, Hermine Overbeck-Rothe, Ottilie Reylaender, Clara Rilke-Westhoff, Carl Vinnen und Heinrich Vogeler. Wer diese schätzt, greife sofort zu. Wer Rainer Maria Rilkes Geschmack vertraut, greife sofort zu. Wer die Sehnsucht nach dem Landleben in sich fühlt, greife sofort zu. Wer die Kunst der Moderne mag, greife sofort zu. Der Griff ginge nicht daneben! (Text: Thomas Treichel)

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