Ein Ufo, dachte sie
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Ein Ufo, dachte sie

Genre
Roman
Autor
Xiaolu Guo
Verlag
btb
Erscheinungs­datum
01.09.2009
Erscheinungs­form
Taschenbuch, Broschur: 224 Seiten

Bewertung

Michael Möbius, Feb 2012

5 / 5 Sternen

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Wenn in China...ein Ufo gesehen wird. Also falls es gesehen würde. Obwohl es vielleicht gar nicht gesehen würde, auch wenn es so aussähe, als sei es gesehen worden. Puh, wie verwirrend.

Elfter September (!) 2012, in einer chinesischen Wüste liegt Silberberg. Ein paar Bauern und Handeltreibende, arme Menschen, fast alle Analphabeten leben darin. Im Trott des Gleichklangs. Seit 20, 30 Jahren hat sich nichts verändert, bis ..., ja bis Kwok Yun, eine alte Jungfer und Bäuerin, eine Erscheinung hat. Licht, ohrenbetäubender Lärm, ein Wesen von weit her, welches verletzt ist und ihre Hilfe braucht. Doch dann ist das Wesen plötzlich verschwunden. Und die Retterin eilt zur Dorfvorsteherin, um Bericht zu erstatten und die Lawine ist losgetreten.

Polizei kommt ins Dorf und protokolliert die geführten Gespräche mit der Zeugin und anderen Dorfbewohnern. Und dies tun die Freunde und Helfer für den Leser. Denn im Grunde besteht der ganze Roman aus solchen Vernehmungsprotokollen. Doch nicht nur die Staatsgewalt kommt über das Dorf, auch ein unverhoffter Geldsegen, welcher der Ufo-Sichtung folgt. Unser Dorf soll moderner werden und genau hier wird es komisch und kritisch. Denn im Stile von chinesischen Großbauprojekten wird auch die Dorfumgestaltung betrieben. Es wird nicht nach Sinn oder Unsinn gefragt, oder gar nach Hindernissen, Recht und Gesetz. Es ist möglich, also wird es gemacht.

Während der erste Teil eher eine Beschreibung des chinesischen Hinterlandes ist, sowie deren erheblicher Rückständigkeit und Armut, wird im zweiten Teil der chinesische Aufstieg dargestellt. Ein Dorf wird zur Stadt, die soziale Struktur geht hopps, überall wird gebaut, Umweltverschmutzung allerorten, und und und.

Am Ende steht jedenfalls ganz sicher die Frage: Müsste das nicht anders gehen? Nein! Der Polizeistaat schlägt zu, „die Partei, die Partei, die hat immer recht“. Die Unbedarftheit der Armen trifft auf die Dummheit der Apparatschicks, auf die ominöse Weisung von Oben, all dies finden wir hier. Klischeehaft verkürzt, satirisch verdichtet.

Immer wieder kommt auch die „glorreiche“ nähere Vergangenheit Chinas zur Sprache. Die „Helden“ treten auf, der große Führer wirft noch immer lange Schatten, die Bitternis ist Hauptnahrungsmittel und der „große Sprung nach vorn“ hinterließ denkbar tiefe Eindrücke der Militär-Stiefel im Sand der Zeit, der noch zu frisch ist, um verweht zu werden.

Ein wirklich schönes Büchlein erwartet den Leser, etwas über 200 Seiten, die sich im Fluge weglesen. Da die Sprache authentisch sein soll, sind nicht eben brillant geschliffene Sätze dabei herausgekommen, dafür aber eine in sich stimmige Szenerie. Die Figuren könnten echt sein, so denkt man als unwissender Europäer, ein Kompliment besonderer Güte für die Autorin. Die Geschichte ist liebevoll erzählt und mit Nadelstichen gespickt. Ein gutes Buch. (Text: )

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